5.2.5. Die Kirche und der Staat

„Dem Gott das Göttliche, dem Kaiser das Kaiserliche“. Einfach gesagt, schwierig zu erreichen.

Ein gegebenes Bewusstsein kann nur ein Modell der Realität abbilden. Jegliche Versuche von mehreren Darstellungen führten zur Kreation von parallelen Bewusstseinen.

Die Gottheit ist ein kollektives Bewusstsein einer Kirchengemeinschaft, also der Gemeinschaft, welche an diese Gottheit glaubt. Der Kaiser ist eine Abbildung der zivilen Herrschaft. Die zivile Herrschaft ist nicht anderes, als ein Ausdruck der Aktivitäten des kollektiven Bewusstseins aller Bürger des gegebenen Staates. Der Mensch kann mehreren kollektiven Bewusstseinen angehören. Eine solche mehrfache Zugehörigkeit ist jedoch durch die Homogenität des menschlichen Einzelbewusstseins bedingt. Wenn das „göttliche“ und das „kaiserliche“ Bewusstsein diese Homogenität nicht garantiert, dann ist die Erfüllung des Gebotes „Dem Gott das Göttliche, dem Kaiser das Kaiserliche“ nicht realisierbar.

Die Folge von solchen Differenzen ist entweder eine Dominanz der Kirche über dem Staat oder die Dominanz des Staats über die Kirche. Die Kirche trägt immer Schuld von solcher Dominanz, indem sie Glaubensbekenntnisse predigt, welche im Widerspruch zum Wissen stehen. Um die Gläubigen zu behalten, versklavt die Kirche die Menschen geistig und dominiert über den Staat. Wenn die Kirche dies nicht tut, dann treten die Menschen aus der Kirche aus und der Staat dominiert über die Kirche.

Als Beispiel der Dominanz der Kirche über den Staat können die Zeiten dienen, als die Kirche die Physikgesetze definiert hat. Zum Beispiel, die Verbreitung der bewiesenen Ansicht, dass die Erde um die Sonne kreist, wurde damals von der Kirche mit härtesten Strafen belegt.

Als Beispiel der Dominanz des Staates über die Kirche können die westlichen Demokratien dienen, in welchen die Kirchen leer bleiben.

Das Dilemma kann nur mit Hilfe der Prinzipien des Universums gelöst werden. Jeder hat das Recht und die Pflicht zu glauben. Der Glaube darf aber das Wissen nicht ersetzen. Das Wissen durch den Glauben zu ersetzen ist nichts anderes als eine Versklavung.

Die Trennung des Staates von der Kirche muss also an der Trennlinie Wissen-Glauben verlaufen. Da das Wissen wie auch das Bewusstsein ansteigen muss, wird sich diese Trennlinie immer zu Gunsten des Einflusses des Staates verschieben. Dies bedeutet, dass die Kirche auf diesem Gebiet immer dem Staat weichen muss.

In der stattlichen Verfassung darf also kein Satz „in Namen Gottes …” geschrieben werden, solange es nicht wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass Gott existiert. Ansonsten wird das Prinzip der Trennung des Staates von der Kirche nicht befolgt, was auch bedeutet, dass die Prinzipien des Universums nicht befolgt werden.

Der Staat wirkt auf die Gesellschaft über das Gesetz. Das Gesetz soll ausschliesslich auf dem Wissen basieren und nicht in das Gebiet des Glaubens vordringen. Ein korrekt konstruiertes Gesetz lässt alle religiösen Praktiken zu, solange sie nicht in den Bereich des Wissens eingreifen.

Ein Problem entsteht jedoch an der Trennlinie zwischen Wissen und Glauben. Diese Linie ist nicht scharf. Es ist eher ein Übergangsbereich, in welchen sich der Kampf um das Wissen abspielt. Das Wissen will diesen Bereich erobern, der Glaube wehrt sich eher dagegen.

Die Lösung dieses Problems muss einfach sein und muss sich aus den Prinzipien des Universums ergeben. Die Religion darf den Verifizierungsprozess nicht unterbinden und das Gesetz darf keinen Glauben aufzwingen.

Eine solche Einstellung bringt Einschränkungen mit sich sowohl für das zivile Gesetz wie auch für die Glaubensfreiheit. Das Gesetz darf sich in keinem Glauben verankern und der Glaube darf nicht dem Wissen widersprechen.

Zum Beispiel: Das Gesetz, dass nur monogame Ehen zulässt, indiziert eine fehlende Trennung von Kirche und Staat. Die alleinige Akzeptanz für die Monogamie hat keine Begründung im Wissen. Es ergibt sich aus dem Glauben, dass Gott einen Mann und eine Frau erschaffen hat, damit sie gemeinsam eine Familie gründen können. Das zivile Gesetz darf aber in keinem Glauben verankert sein.

Genauso darf das Gesetz keine Strafe für das Wechseln des Glaubens oder der Religion aushängen. Die Notwendigkeit der Änderung des Glaubens ergibt sich aus den fundamentalen Prinzipien des Universums. Das Verbot des Glaubenswechsels verstösst gegen das Prinzip des steigenden Bewusstseins. Das Gesetz, welches den Wechsel des Glaubens verbietet, widerspricht seiner eigenen Existenz.

Auf der anderen Seite darf man den Menschen nicht verbieten an Gott zu glauben. Bis jetzt konnte niemand nachweisen, dass Gott nicht existiert. Die kommunistischen Staaten haben gegen die Trennung des Staates von der Kirche verstossen, indem sie die Kirche durch den Staat ersetzt haben.