5.2.4. Die Religionen

Der Glaube ist ein Bestandteil eines jeden Bewusstseins, auch des menschlichen Bewusstseins. Der Glaube wird durch das Universum verifiziert und falsche Realitätsvisionen werden früher oder später korrigiert. Der Erkenntnisprozess dauert fort und seine Dynamik ist durch die Präsenz des Universums garantiert. Die Universumserkenntnis und die Präsenz des Universums sind nämlich untrennbar.

Die Religionen sind eine Umsetzung der Glaubensnotwendigkeit in den menschlichen Gemeinschaften. Die Geschichte der menschlichen Gesellschaften ist gleichzeitig die Geschichte der verschiedenen Volksglauben und Religionen. Die Religionen haben die menschlichen Gesellschaften immer begleitet und werden dies auch weiterhin tun, bis zum eventuellen Erfüllen des Selbstbewusstseins.

Die Entwicklung der Religionen, genauso wie die Entwicklung des Bewusstseins, unterliegt dem Prinzip des steigenden Bewusstseins. Dies erklärt, wieso einige Religionen vergehen und die anderen entstehen. Dies erklärt auch, weswegen die Religionen um das Überleben kämpfen und dabei von der Versklavung der Gläubigen nicht zurückschrecken.

Die Religionen wollen ihre Existenz sichern und nutzen dafür die Familie aus. Es ist meistens von Seite der Familie vorbestimmt, ob jemand ein Christ, ein Moslem oder ein Jude wird. Wenn jemand in eine christliche Familie geboren wird, dann wird er sofort nach der Geburt getauft. Es wird ihm ein Gebet gelehrt und, er wird zum Religionsunterricht geschickt, dann zur ersten Kommunion oder zur Konfirmation. Bevor er anfängt selbständig zu denken, ist alles schon entschieden. Die Fragestellung nach dem Sinn der Sache ist dann mit grossen Schuldgefühlen verbunden. Man wird als Verräter abgestempelt. Manchmal wird man aus der Gesellschaft ausgeschlossen. In einigen Kulturen wird man wegen Religionsverrat mit dem Tod bestraft.

Diesen Praktiken muss man ein Ende setzen. Das Universum gebietet zu glauben. Der Glaube muss allerdings bewusst sein und er muss dem Verifizierungsprozess unterliegen. Das Ziel des Glaubens ist nicht die Versklavung sondern die Richtungsweisung der Entwicklung.

Die Religionen wurden immer mittels Versklavung des Bewusstseins dazu benutzt, die Macht zu befestigen. Dies hat dazu geführt, dass sich die drei grossen monotheistischen Religionen, welche an den gleichen Gott glauben, gegenseitig bekämpften und weiterhin bekämpfen. Die Religionskriege haben dem Menschen den Glauben vermittelt, dass Töten von Ungläubigen, also Menschen, welche zu einer anderer Religion gehören, die Tore zum Paradies öffnet. Wer könnte auf so eine Idee kommen, dass Gott am gegenseitigen Ausspielen der Religionen Gefallen finden könnte. So eine Absurdität!

Aus dem Prinzip des steigenden Bewusstseins ergibt sich das Prinzip der Trennung von Staat und Kirche. Solange dieses Prinzip nicht befolgt wird, werden Religionskriege geführt. In diesen Kriegen geht es aber nicht um den Glauben, sondern um die Versklavung.

Ein Problem entsteht auch, wenn die Werte, welche eine Religion vermittelt, nicht mehr zum aktuellen Wissen passen. Die Religionen haben einen konservativen Charakter. Die der Religion angehängten Strukturen versuchen also die Entwicklung des Erkennens der Realität zu unterbinden, um diesen Widerspruch zu überwinden.

Dass die einmal aufgebauten Werte im Verlaufe der Zeit nicht mehr zum aktuellen Wissen passen ist ein natürlicher Prozess. Einerseits braucht es Zeit, um ein bestimmtes Wertesystem zu entwickeln und zu implementieren. Andererseits muss die Realität erkennbar bleiben. Dieser Konflikt ist ein integraler Bestandteil der Daseinsentwicklung. Die Religionen stehen hier immer auf verlorenem Posten. Der Glaube ist nicht absolut. Der Glaube weist nur die Entwicklungsrichtung. Wenn dieser Weg sich als falsch erweist, dann muss der Glaube dem Wissen den Vortritt gewähren und sich selbst einer Korrektur unterziehen. Die Religion, welche dies nicht tut, wird früher oder später seine Bekenner verlieren.

Solange die Religionen sich nicht von der Versklavung, von der Ablehnung des Wissens, von politischer Einflussnahme, von historischen Belastungen und den mit ihnen verbundenen Kanons lossagen, bleiben diese Probleme ungelöst. Anstelle sich mit dem Kern des Glaubens zu beschäftigen, werden Kriege um Machteinflüsse geführt. Das Universum hat aber eigene Prinzipien und solche Religionen werden frühen oder später fallen.

Die wahre Religion benötigt keinen Zwang und verlangt auch nicht nach dem Märtyrertod. Zur wahren Religion müssen die Menschen nicht überredet werden. Die wahre Religion jagt auch nicht nach den Gläubigen. Der Mensch will glauben und braucht den Glauben. Die wahre Religion ist diejenige, nach welcher die Menschen selbst streben, da die wahre Religion den Menschen die Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens gibt und nicht mit unerfüllbaren Versprechungen trügt.

Der Sinn des Lebens und der Kern des Glaubens sind durch das aktuelle Wissen bedingt. Dies bewirkt, dass der heutige wahre Glauben morgen wieder reformiert werden muss, da die wahre Religion nicht nach Versklavung strebt.