2.2.3. Der Mensch und die verschiedenen Welten

Wenn der Mensch stirbt, bleibt eine Leiche übrig. In früheren Zeiten diente sie als Nahrung für die Aasfresser. Der Körper wurde also in bestimmtem Sinne wieder zur lebendigen Welt zurückgeführt, nicht aber zur menschlichen Welt.

Heute wird der gleiche Leichnam festlich angezogen, in einen verzierten Sarg gelegt und dann wie ein Schatz vergraben. Nicht einverstanden damit, dass jemand ganz einfach gestorben ist, schicken wir die Seele auf eine weitere Reise in eine bessere Welt, in die göttliche Welt. Es stimmt zwar, dass niemand von den Lebendigen diese Welt gesehen hat, aber da eilen uns die Religionen zur Hilfe.

Die Tatsache ist aber, dass wir es vor allem für uns selbst tun, um vor uns selbst die Wahrheit zu verstecken und um uns zu täuschen. Wir wollen die Vorahnung leugnen, dass das Leben in dieser materiellen Welt anfängt und auch in dieser materiellen Welt endet. Alle Kulturen versuchen dies zu leugnen und kreieren dabei verschiedene Religionen. Eines haben diese Religionen gemeinsam, nämlich die Ideen vom Geist und Gott. Leider wenn es dazu kommt diesen Ideen zu präzisieren, dann haben alle eine andere Meinung. Zusätzlich will niemand zugeben, dass er eigentlich von diesem Thema nicht die kleinste Ahnung hat. Dabei werden die heiligen Schriften oder die Kirche als Vorwand benutzt.

Woher kommt dieser Drang nach „Glauben“? Da wir leben wollen und dem Leben auch einen Sinn geben möchten, kreieren wir uns ein entsprechendes Weltbild. Damit können wir uns den Wunsch nach dem Sinn des Lebens erfüllen.

Es genügt uns nicht, dass das Leben auch ohne diese Erklärung funktioniert. Es genügt uns nicht, dass der Mensch unabhängig davon atmet, ob er weiss, was Sauerstoff ist oder nicht. Wir wollen die Lücke, zwischen dem was wir schon wissen und verstehen und dem was wir noch nicht wissen und nicht verstehen, mit einer einfachen Erklärung schliessen. Es ist unser Verstand, der nach dieser Erklärung verlangt. Hätten wir keinen Verstand, hätten wir auch kein Problem mit dem Weltverständnis. Ist es wirklich so? Wie ist es also möglich, dass unser Körper die Welt versteht und in dieser Welt funktioniert aber unser Verstand es nicht versteht? Die Religionen eilen mit der Erklärung zu Hilfe, dass der Körper von dieser Welt stammt, der Verstand (die Seele) jedoch nicht. Die Seele ist etwas Fremdes, etwas Göttliches. Wenn der Körper stirbt, lebt die Seele weiter. Sie muss irgendwohin gehen. Zur Auswahl haben wir das Paradies, die Hölle, das Purgatorium oder die Reinkarnation.

Nehmen wir zum Beispiel die ägyptischen Mumien. Vor vier Tausend Jahren hat die ganze Macht des ägyptischen Reiches diese Zeremonie unterstützt. Die Leichname der Pharaonen waren entsprechend präpariert um unversehrt das ewige Leben zu erlangen. Sie wurden gesalbt, einbalsamiert und in Leinen eingewickelt. Die ganze Zeremonie hat ein Vermögen gekostet. Man hat spezielle Pyramiden gebaut um so präparierte Leichen in die Ewigkeit zu schicken. Sie wurden mit unzähligen Schätzen dorthin gelegt, um zu garantieren, dass ihnen im zukünftigen Leben an nichts fehlt. Diese Zeremonie wurde von der ganzen Macht Ägyptens unterstützt. Die Tempeln, die Priester, die Armee, das Volk, die Sklaven, alle haben dafür gearbeitet. Sie haben einen Sinn darin gefunden und ihre Zivilisation gebaut. Heute werden diese Mumien in Museen ausgestellt oder spielen Hauptrollen in Horrorfilmen. Ist das die Ewigkeit an die man damals geglaubt hat? Ist das nicht eine Absurdität vom heutigen Standpunkt aus betrachtet?

Die menschliche Welt kann also auf der Basis einer Absurdität aufgebaut werden. Es genügt, dass die Mehrheit daran glaubt und dass die herrschende Macht diese Absurdität unterstützt, indem sie alle anderen Meinungen eliminiert.

Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit kann man also feststellen, dass in ein paar tausend Jahren auch unser Glauben als eine Absurdität betrachtet wird. Jeder der heute einem anderen Menschen ein Messer in den Rücken stechen will, bloss weil der andere anders denkt oder glaubt, sollte es sich wirklich gut überlegen. Denn es könnte ja sein, dass ihm bei nächster Gelegenheit aus dem gleichen Grund selbst ein Messer in die Rücken gestochen wird. Und warum das alles? Wegen höchstwahrscheinlicher Absurdität!