2.1.1. Wieso soll man die Wahrheit suchen?

Genügt es nicht passiv zu bleiben? Das tun, was man uns sagt zu tun und das zu glauben, was man uns zu glauben empfiehlt. Soll man nicht lieber konfliktlos leben und dann in der Hoffnung auf Ewiges Leben sterben?

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass es gefährlich ist nach der Wahrheit zu suchen. Viele Menschen haben das Streben nach Wahrheit oder das Propagieren der Wahrheit mit dem Leben bezahlt.

Die Kinder stellen die Fragen automatisch. Sie erleben ein solches Dilemma nicht. Bedingungslos verlangen sie die Antwort auf die Fragen, welche sie beschäftigen. Wenn man erwachsen wird, lässt diese Dynamik nach. Der Mensch hat keine Zeit mehr für dumme Fragen. Man muss arbeiten gehen, Geld verdienen, die Familie versorgen und die Kinder erziehen. Alte Menschen stellen sich und anderen erneut die Frage: Wozu war das alles? Sie gehen auf alle Fälle in die Kirche, um eigene Sünden zu entkräften. Man weisst nie, vielleicht kommt man doch ins Paradies.

Es lässt sich nicht widersprechen, dass alles was wir heute bewusst oder unbewusst wissen, aus der Summe der Erfahrungen aller Menschen, welche vor uns gelebt haben, entstanden ist. Ohne diesen Prozess wären wir nicht an diesem Punkt, wo wir heute sind. Lassen wir die Frage offen, wie viele alle andere Lebewesen zu diesem Prozess beigetragen haben.

Die Entstehung dieser Summe des Wissens ist also bedingt durch den Willen, sich der Wahrheit zu nähern. Würde dieser Wille nicht existieren, dann würde sich auch das Wissen nicht kumulieren können. Wenn irgend jemand glaubt, dass das Wissen sich per Zufall kumuliert, dann soll er auf der Computertastatur Tasten in beliebiger Reichenfolge drücken und dann versuchen zu lesen, was er geschrieben hat.

Es stellt sich also auf natürliche Art und Weise die These, dass der Wille nach der Wahrheit zu suchen, eine fundamentale Bedingung unserer Existenz ist. Ohne dieses Bedürfnis könnten wir überhaupt nicht entstehen. Wir sind angewiesen darauf, nach der Wahrheit zu suchen um die Welt zu verstehen. Es ist die Grundbedingung unserer Existenz.

Aus der Geschichte lernt man, dass die Suche nach der Wahrheit mit absurden Methoden realisiert werden kann. Was dabei interessant ist: Die Weltdarstellung, welche man mit solchen Methoden kreiert, kann trotzdem allgemein akzeptiert werden.

Mann kann dabei einen Eindruck bekommen, dass es manchmal nicht um die Wahrheit geht, sondern um eine einfache Schliessung der Lücke zwischen dem was wir schon wissen und verstehen, und dem was noch unbekannt und unverständlich übrig bleibt. Diesen Luxus können wir uns leisten, da unabhängig davon, wie wir uns zum Beispiel den Atmungsprozess erklären, dieser Prozess funktioniert korrekt.

Es ist erstaunlich, dass unsere Suche nach der Wahrheit sehr oft damit verbunden ist, dass wir uns Fragen stellen und dann auf diese Fragen die Antworten suchen, obwohl unserer Körper diese Antworten schon immer gekannt hat.