2.1 Wie soll man zur Wahrheit kommen?

Eine grundlegende Frage der Existenz ist, wie man die Wahrheit erfahren kann. Wie kann man feststellen für welchen Zweck man lebt? Wie soll man sich zum Handeln motivieren? Wieso soll man Gutes tun? Wie unterscheidet man zwischen dem Guten und dem Bösen?

Die Kinder sollten das tun, was die Eltern ihnen sagen. Für die Kinder sind diese Probleme also gelöst. Aber was ist mit den Erwachsenen?

Wem sollen sie gehorchen? Gott oder dem Gesetz? Gott das Göttliche, dem Kaiser das Kaiserliche“. Was soll man aber unternehmen, wenn das „Göttliche” mit dem „Kaiserlichen” im Konflikt steht?

Und was sollen diejenigen tun, welche nicht glauben? Soll in diesem Fall das Gleichgewicht zwischen der Tat und der Strafe das einzige Mass der Dinge sein? Soll dann jeder sein Vorgehen auf eigene Art und Weise regeln? Ein Dieb, welcher eine Million stiehlt, sollte dann nur aufpassen, dass man ihn nicht erwischt. Wenn er aber klug ist, wird er dieses Risiko entsprechend einkalkulieren. Wenn stehlen, dann entsprechend viel und gut verstecken. Sollte man ihn erwischen, dann muss sich das „Vorhaben“ trotzdem gelohnt haben. Er landet dann zwar für ein Jahr im Gefängnis. Wenn er aber aus dem Gefängnis entlassen wird, hat er eine Million. Wie viele Menschen verdienen eine Million in einem Jahr?

Ein anderer findet ein dickes Portemonnaie und gibt es dem Eigentümer zurück. Wer hat hier Recht?

Sogar die Gläubigen glauben nicht umsonst, sondern für eine Belohnung. Wenn man genug eifrig glaubt, dann verdient man sich das ewige Leben im Paradies. Ja, sogar die Sünden kann man tilgen. Mit den Sünden ist es ähnlich wie mit den CO2. Mein Bruder, du kannst die Umwelt so viel verpesten, wie du willst. Hauptsache, du bezahlst Schadenersatz. Die Umwelt wird das Geld nicht sehen, die Sünden werden aber getilgt. Es gibt Religionen, welche Töten mit dem Ewigem Leben belohnen, trotz des Gebotes: „Du sollst nicht töten”.

Wann ist Töten erlaubt? Einen Feind während des Krieges zu töten ist eine gerechte Tat. Wenn der Feind aber uns tötet, dann ist es eine schlechte Tat. Für den Feind selber ist es jedoch eine gute Tat. Ob das Opfer und der Totschläger in den gleichen Himmel kommen, wenn sie an den gleichen Gott glauben?

Zu Zeiten der Inquisition hatte man sehr originelle Methoden verwendet um die Wahrheit zu erfahren. Wurde zum Beispiel eine Frau der Hexerei beschuldigt, warf man sie in den Fluss. Hat sich die Frau gerettet galt sie als Hexe und man hat sie lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Wollte eine Frau ihre Unschuld beweisen, musste sie ertrinken.

In den Ritterzeiten hat man eine andere Methode verwendet um die Wahrheit zu ergründen. Wenn zwei Ritter zwei verschiedene Meinungen vertraten, hat man das Recht demjenigen gegeben, der als erster dem anderem den Schädel eingeschlagen hatte. Da der zweite niemandem mehr den Schädel einschlagen konnte, hat er nie mehr Recht bekommen.

Gegenwärtig entscheiden sehr oft die Gerichte über die Wahrheit, und diejenigen, welche zu Unrecht verurteilt werden, landen manchmal auf dem elektrischen Stuhl.

Viele probieren das Dilemma der Wahrheit so zu lösen, indem sie sich entwurzeln und die Antworten in anderen Kulturen oder in anderen Religionen suchen. Diese andere Kulturen oder Religionen haben das gleiche Dilemma. Es ist wie mit der Ehe und der Scheidung. Wenn man sich mit der Ehefrau nicht verständigen kann, sollte man sich scheiden lassen und eine neue, bessere Frau heiraten. Es wird dabei nicht schaden, wenn sie bei dieser Gelegenheit jünger wird. Nach einer kurzen Euphorie zeigt sich aber, dass diese neue, jüngere und bessere Superfrau auch Kopfschmerzen hat und auch immer unzufrieden ist. Die Lösung des Problems liegt auf der Hand: die nächste Scheidung.